AfD triumphiert in Kaiserslautern – wie die SPD-Hochburg zur rechtspopulistischen Bastion wurde
Oscar KabusAfD triumphiert in Kaiserslautern – wie die SPD-Hochburg zur rechtspopulistischen Bastion wurde
Die rechtspopulistische AfD hat in Kaiserslautern, einer Stadt, die einst eine Hochburg der SPD war, deutliche Zugewinne erzielt. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am Sonntag erreichte die Partei 26 Prozent der Zweitstimmen – ihr bestes Ergebnis in der Region. Der Wandel vollzieht sich vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher Probleme, darunter hohe Arbeitslosigkeit und massive Stellenabbau bei Opel.
Kaiserslautern galt lange als sichere SPD-Bastion, doch aktuelle Wahlen zeigen einen klaren Trend. Bei der Landtagswahl 2025 konnte die SPD die AfD nur knapp aufhalten, während die Rechtspopulisten 2026 die Führung übernahmen. Die Stadt ist nun der einzige Wahlkreis in Rheinland-Pfalz, in dem die AfD die meisten Zweitstimmen holte.
Der wirtschaftliche Niedergang hat den politischen Umschwung beschleunigt. Opel, einst einer der größten Arbeitgeber der Region, hat Tausende Stellen abgebaut – heute sind dort weniger als 950 Beschäftigte geblieben. Die Arbeitslosenquote in Kaiserslautern kletterte im Juli 2025 auf 9,5 Prozent und lag damit deutlich über dem Bundesschnitt von 6,3 Prozent. Ein weiterer Rückschlag war der Verzicht des Unternehmens ACC auf den Bau einer Batteriezellenfabrik – als Begründung wurde die schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa genannt.
Lokale AfD-Aktivisten führen ihren Erfolg nicht nur auf die wirtschaftliche Notlage zurück, sondern auch auf gezielte Kampagnenarbeit. Die Partei konzentriert sich auf Stadtteile, in denen sich andere politische Gruppen zurückgezogen haben. Im Arbeiterviertel Grübental stimmten 36 Prozent der Wähler für den Direktkandidaten der AfD – ein Vorsprung von zehn Punkten vor der SPD. Bis 2029 plant die Partei, in jedem Wahlkreis leerstehende Kneipen anzumieten und zu hybriden Büros und Veranstaltungsräumen umzubauen.
Schon die Bundestagswahl 2025 hatte die wachsende Bedeutung der AfD angekündigt. Kaiserslautern war eine von nur zwei westdeutschen Städten, in denen die Partei die Mehrheit der Stimmen gewann. Analysten betonen, dass zwar Arbeitsplatzverluste und Werksschließungen die Unzufriedenheit schüren, der organisierte lokale Einsatz der AfD ihre Anhängerschaft jedoch zusätzlich gestärkt hat.
Der Sieg der AfD in Kaiserslautern markiert eine Zeitenwende für die politische Landschaft der Stadt. Mit 26 Prozent der Zweitstimmen führt die Partei nun in einem Wahlkreis, der einst fest in SPD-Hand war. Gleichzeitig prägen wirtschaftliche Herausforderungen – von hoher Arbeitslosigkeit bis zum industriellen Niedergang – weiterhin die Prioritäten der Wähler.






