AfD zerrissen: Machtkampf um Iran-Krise und US-Truppen spaltet die Partei
Eileen SontagAfD zerrissen: Machtkampf um Iran-Krise und US-Truppen spaltet die Partei
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Der jüngste Konflikt dreht sich um die Iran-Krise 2026, wobei der Parteivorsitzende Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland fordert – eine Position, die bei den NATO-befürwortenden Mitgliedern auf scharfe Ablehnung stößt. Die internen Querelen legen tiefe Gräben offen, die die Partei seit ihrer Gründung belasten.
Der Streit eskalierte, als Chrupalla die Forderung nach dem Rückzug der amerikanischen Streitkräfte erhob. Maximilian Krah, AfD-Bundestagsabgeordneter, widersprach öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Seine Äußerungen unterstrichen den langjährigen Richtungsstreit zwischen den pro-westlichen und den russlandfreundlichen Flügeln der Partei.
Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD, gerät zunehmend unter Druck durch den russlandnahen Flügel um Björn Höcke. Lucassen, der in Russland die größte Bedrohung für die NATO-Ostflanke sieht, wirft Höckes Anhängern vor, ihn aus seinen Positionen verdrängen zu wollen. Unterdessen verfasste Hannes Gnauck, ein weiterer Sicherheitsexperte der Partei, eine Presseerklärung zur Unterstützung der USA in der Iran-Krise – doch die Parteiführung blockierte deren Veröffentlichung.
Der Konflikt beschränkt sich längst nicht mehr auf die Außenpolitik. Martin Sellners umstrittene "Remigrations"-Pläne bleiben ein Belastungsfaktor, wobei einige AfD-Mitglieder die Parteispitze auffordern, sich klar davon zu distanzieren. Doch die Co-Vorsitzenden Chrupalla und Alice Weidel haben es bisher versäumt, glaubwürdig Abstand von Sellners Vorhaben zu nehmen – was die inneren Spannungen weiter anheizt.
Krah warnte, die extremen Positionen der Partei – sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik – hätten die politische Isolation verschärft, die andere Parteien der AfD auferlegt hätten. Innerparteiliche Kritiker fürchten nun, die anhaltenden Machtkämpfe könnten in eine formelle Spaltung münden.
Der außenpolitische Dissens in der AfD zeigt keine Anzeichen einer Entspannung. Chrupallas Forderung nach dem Abzug der US-Truppen hat die Gräben vertieft und die NATO-Befürworter gegen den russlandfreundlichen Flügel aufgebracht. Angesichts wachsenden internen Drucks und zunehmender externer Kritik steht die Partei in den kommenden Monaten vor einer Zerreißprobe.






