05 June 2026, 16:10

Berlins Linke gedenkt NS-Bücherverbrennungen – doch Kritik an fehlender Antisemitismus-Thematisierung wächst

Linkspartei und Anti-Zionismus

Berlins Linke gedenkt NS-Bücherverbrennungen – doch Kritik an fehlender Antisemitismus-Thematisierung wächst

Berlins Linke veranstaltete „Lesen gegen das Vergessen“ zum 91. Jahrestag der NS-Bücherverbrennungen

Am 10. Mai gedachte die Berliner Linkspartei mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Lesen gegen das Vergessen“ des 91. Jahrestags der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen. Die Kundgebung sollte an die Schriftsteller erinnern, deren Werke damals vernichtet wurden, und sich gegen Hass und Ausgrenzung stellen.

Am 10. Mai 1933 hatten NS-Anhänger in ganz Deutschland tausende Bücher öffentlich verbrannt – mit der Begründung, die „jüdische Geisteshaltung“ und moderne Strömungen aus der deutschen Kultur „ausmerzen“ zu wollen. Zwar waren viele der betroffenen Autoren jüdischer Herkunft, doch wurden auch nichtjüdische Schriftsteller verfolgt, sobald ihre Werke als fortschrittlich oder systemkritisch galten.

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In der Ankündigung der Linken wurde jedoch nicht explizit darauf hingewiesen, dass Antisemitismus der zentrale Beweggrund der Bücherverbrennungen war. Ebenso fehlte der Hinweis, dass der Großteil der zerstörten Werke von jüdischen Autor:innen stammte. Stattdessen lag der Fokus der Veranstaltung allgemein auf dem Widerstand gegen Rassismus und geschichtliche Verdrängung.

Die Gedenkaktion fällt in eine politisch brisante Phase: Im September stehen in Berlin Wahlen zum Abgeordnetenhaus an. Innerhalb der Linkspartei hat in den letzten Monaten der antizionistische Flügel an Einfluss gewonnen. Kritiker:innen werfen vor, dass jene, die Israel als neokoloniales Projekt mit rassistischen Wurzeln darstellen, Antisemitismus in historischen Debatten über Unterdrückung oft verharmlosen oder ganz ausblenden.

Die Veranstaltung lenkte die Aufmerksamkeit auf die Gefahren von Zensur und die Bedeutung des Erinnerns an historische Verbrechen. Doch die fehlende klare Benennung des Antisemitismus in den Stellungnahmen der Linken hat eine Kontroverse ausgelöst. Angesichts der bevorstehenden Wahlen könnte die Haltung der Partei zu diesen Themen noch stärker in den Fokus der öffentlichen Diskussion rücken.

Quelle