"Debritz" in Karlsruhe: Ein düsteres Theaterstück über den vergessenen Osten Deutschlands
Reinhild Hänel"Debritz" in Karlsruhe: Ein düsteres Theaterstück über den vergessenen Osten Deutschlands
Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Debritz“ – ein düsteres Porträt des vergessenen Ostens
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat mit Debritz ein neues Stück Premiere gefeiert, das von dem fiktiven Dorf Debritz in einer abgehängten Ecke Ostdeutschlands erzählt. Der Autor Kaleb Erdmann entwirft darin das Bild einer von Verfall und Perspektivlosigkeit geprägten Region. Die Inszenierung setzt sich mit Themen wie dem Niedergang ländlicher Räume, dem Klimawandel und der wachsenden Kluft zwischen Stadt und Land im heutigen Deutschland auseinander.
Debritz wird als öde, verlassene Siedlung geschildert: Missernten, fehlende Industrie, kaum öffentlicher Nahverkehr. Einst ein blühendes Zentrum des Salzabbaus, leidet der Ort heute unter Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Vernachlässigung. Die meisten jungen Menschen sind längst fort – zurück bleibt eine schrumpfende Gemeinschaft ohne Zukunft.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik, die einzigen voll ausgearbeiteten Figuren des Stücks. Ihre gegensätzlichen Sehnsüchte – wegzugehen oder zu bleiben – treiben die Erzählung voran. Die Geschichte gipfelt in einem absurden Finale: Peggy und Maik sprengen das Dorf in einer grotesken, slapstickhaften Wendung in die Luft.
Regisseurin Brit Bartkowiak setzt auf einen mutigen, experimentellen Stil, der sich an Comic- und Pop-Ästhetik bedient. Ihre lebendige Inszenierung und die spielerische Energie des Ensembles mildern die Schwächen des Textes, der Kritiker zufolge allzu sehr in Klischees verhaftet bleibt und an emotionaler Tiefe mangelt. Dennoch überzeugt die Darstellung eines Mikrokosmos gesellschaftlicher Verwerfungen.
Die Schlusssequenz deutet eine postapokalyptische Zukunft an – ein drastischer Appell, die gegenwärtigen Probleme von Orten wie Debritz ernst zu nehmen. Die Bedeutung des Stücks liegt in seiner seltenen Auseinandersetzung mit strukturschwachen Regionen Deutschlands und den Folgen des Klimawandels. Auf groteske, zum Nachdenken anregende Weise holt es diese vernachlässigten Themen auf die Bühne. Die Produktion hat bereits Debatten über Landflucht und Umweltverfall angestoßen.
