Erlangen streicht "sexistische" Volksfesthits – Zensur oder Fortschritt?
Oscar KabusErlangen streicht "sexistische" Volksfesthits – Zensur oder Fortschritt?
Erlangens Stadtverwaltung hat einen Index mit sogenannten „sexistischen“ Volksfesthits erstellt, um deren Abspielen beim diesjährigen Bergkirchweih-Fest zu entmutigen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die sich im vergangenen Jahr durch die Musik unwohl fühlte. Wirte und Künstler kritisieren die Entscheidung bereits als überzogenen Eingriff.
Auf der Liste stehen bekannte Festivalklassiker wie die Hits von Mickie Krause, Peter Wackels Joana sowie der Kultsong Skandal im Sperrbezirk. Die Behörden betonen, die Überprüfung diene einer inklusiveren Atmosphäre – doch die zuständigen Mitarbeiterinnen Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck beschrieben den Prozess als „unangenehm“.
Peter Wackel, dessen Lied Joana beanstandet wurde, äußerte sich ablehnend zur Entscheidung. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, ging noch weiter und verglich das Vorgehen der Stadt mit Zensurmethoden aus der ehemaligen DDR. Viele Wirte sehen darin unnötige Bevormundung statt einen echten Lösungsansatz für die vorgebrachten Bedenken.
Die Verwaltung betont, es gehe nicht um ein Verbot der Lieder oder eine Kulturdebatte. Vielmehr werde auf Sensibilitäten reagiert – und die Festzelte aufgefordert, Alternativen zu wählen.
Die Kontroverse zeigt das Spannungsfeld zwischen Tradition und gesellschaftlichem Wandel bei einem der größten Volksfeste Deutschlands. Während die Stadt den Index als Empfehlung darstellt, warnen Künstler und Gastwirte vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Die Bergkirchweih findet in diesem Jahr mit der Liste statt – doch die Diskussionen über ihre Auswirkungen werden voraussichtlich anhalten.






