FDP-Streit eskaliert: Hagen-Interview mit Junger Freiheit spaltet die Partei
Reinhild HänelFDP-Streit eskaliert: Hagen-Interview mit Junger Freiheit spaltet die Partei
In der Freien Demokratischen Partei (FDP) ist eine Debatte entbrannt, ausgelöst durch ein Interview, das der FDP-Bundesgeschäftsführer Martin Hagen der rechtsextremen Zeitung Junge Freiheit gegeben hat. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger übt scharfe Kritik an dieser Entscheidung und hat Hagen öffentlich gerügt. Der Streit hat eine breitere Diskussion über politische Abgrenzung und die Grenzen des Engagements ausgelöst.
Hagens Interview mit der Jungen Freiheit stieß bei Parteikollegen auf heftige Ablehnung. Leutheusser-Schnarrenberger, die dem linken Flügel der FDP zugerechnet wird, warnte, das Gespräch trage zur Normalisierung der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) bei. Eine Partei, die von ethnonationalistischen und antiwestlichen Ideologen geprägt sei, könne niemals ein Bündnispartner für die FDP sein, betonte sie.
Hagen verteidigte seinen Schritt und beharrte darauf, die Junge Freiheit sei weder unseriös noch verfassungsfeindlich. Gleichzeitig beklagte er den allgemeinen Verfall der öffentlichen Debattenkultur. Die Gesellschaft habe „verlernt, miteinander zu streiten“, was eine Gefahr für die Demokratie darstelle, so Hagen. Unterstützung erhielt er von Susanne Seehofer, Mitglied im FDP-Bundesvorstand, die das Interview als notwendigen Schritt aus der politischen Filterblase lobte.
Die Kontroverse beschränkt sich nicht auf die Partei. Sabine Döring sagte ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung ab und begründete dies mit Vorbehalten gegen das gewählte Diskussionsforum. Der Spiegel hingegen wertete das Interview als Bruch einer „journalistischen Brandmauer“ und unterstrich damit die Skepsis der Medien gegenüber solch einer Kooperation.
Das Interview hat tiefe Gräben innerhalb der FDP offenbart, insbesondere in der Frage, wie mit rechtsextremen Medien und Parteien umgegangen werden soll. Zwar bleibt Hagen bei seiner Weigerung, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Doch die Debatte zeigt, wie sehr die Partei mit der Frage nach politischen Grenzen hadert. Zudem haben sich bereits Rückzüge von parteinahen Veranstaltungen ergeben – ein Zeichen für die weitreichende Verunsicherung.
