10 May 2026, 20:24

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Warum Hindenburgs Kompromiss scheiterte

Die Flagge Deutschlands mit einem schwarzen Doppeladler in der Mitte auf drei horizontalen Streifen rot, gelb und weiß.

Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Warum Hindenburgs Kompromiss scheiterte

Flaggenstreit spaltet die Weimarer Republik: Hindenburgs gescheiterter Vermittlungsversuch

In den Mitte der 1920er-Jahre verschärfte sich der erbitterte Streit um die deutsche Nationalflagge und trieb die politischen Lager weiter auseinander. Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung in dem Versuch, die Gemüter zu beruhigen – doch der Schritt heizte den Konflikt zwischen Links und Rechts nur weiter an.

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Die Wurzeln der Auseinandersetzung reichten bis in die frühen Jahre der Weimarer Republik zurück. Die Weimarer Koalitionsparteien sowie die Kommunisten unterstützten die schwarz-rot-goldene Trikolore als offizielle Flagge. Konservative und nationalistische Kräfte – vor allem die DVP und die DNVP – forderten hingegen die Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich zwei unverrückbare Blöcke gebildet: ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und ein „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.

Hindenburgs Verordnung von 1926 sollte die zersplitterten Lager versöhnen. Sie bestimmte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge (schwarz-rot-gold) als auch die Handelsflagge (schwarz-weiß-rot) hissen sollten. Doch der Kompromiss überzeugte keine Seite. Die Rechte empfand ihn als zu nachgiebig, die Linke als Zugeständnis an reaktionäre Kräfte. Reichskanzler Hans Luther, zwischen den Fronten gefangen, geriet zunehmend unter Druck.

Bemühungen, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen, waren bereits gescheitert. Edwin Redslob, der mit der Lösung des Konflikts beauftragte Reichskunstwart, erhielt unzählige Entwürfe – doch keine konnte die Gräben überbrücken. Jeder Vorschlag scheiterte am politischen Widerstand. Der Streit zog sich bis 1933 hin, ohne dass jemals eine dauerhafte Einigung gelungen wäre.

Hindenburgs Verordnung trug kaum zur Beilegung des Flaggenstreits bei. Stattdessen offenbarten sich die tiefen Spaltungen der deutschen Politik. Das Scheitern an einem gemeinsamen Nationalsymbol spiegelte die grundlegende Instabilität der Weimarer Republik in ihren letzten Jahren wider.

Quelle