Hettich verschiebt Lohnerhöhung – Mitarbeiter stimmen unter Protest zu
Oscar KabusHettich verschiebt Lohnerhöhung – Mitarbeiter stimmen unter Protest zu
Hettich verschiebt geplante Lohnerhöhung um ein Jahr
Der Möbelbeschlaghersteller Hettich mit Sitz in Kirchlengern hat eine geplante Lohnerhöhung für seine Mitarbeiter um ein Jahr verschoben. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens. Ursprünglich sollten die Beschäftigten ab dem 1. April eine Gehaltserhöhung von 3,1 Prozent erhalten – was für viele im kommenden Jahr Mehrverdienste von über 1.000 Euro bedeutet hätte.
Die Verschiebung der Lohnerhöhung wurde von Hettich als Sparmaßnahme vorgeschlagen, um mehrere Millionen Euro einzusparen. Mindestens 90 Prozent der Belegschaft haben der Verzögerung zugestimmt, obwohl die Gewerkschaft IG Metall, die die Arbeiter vertritt, die Entscheidung kritisiert. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen vor, die Mitarbeiter unter Druck gesetzt zu haben.
Hettich wies diese Vorwürfe zurück und betonte, die Teilnahme an der Verschiebung sei freiwillig und jedem Einzelnen überlassen worden. Die finanziellen Probleme des Unternehmens sind Teil eines branchenweiten Abschwungs in der globalen Möbelbeschlagindustrie, die in den vergangenen fünf Jahren Stagnation und Rückgänge verzeichnete. Dazu beigetragen haben unter anderem Lieferkettenstörungen durch COVID-19, Rohstoffknappheit, Inflation und eine schwächelnde Wohnungsbaumarktlage.
Für Hettich kommen spezifische Herausforderungen hinzu, darunter steigende Energiekosten, Konkurrenz durch günstige asiatische Hersteller und ein Umsatzrückgang von 15 Prozent im Zeitraum 2024–2025. Diese Probleme führten zu Personalabbau und Umstrukturierungsplänen, die Anfang 2026 angekündigt wurden.
Die verschobene Lohnerhöhung tritt nun erst im April 2027 in Kraft – statt wie ursprünglich vorgesehen in diesem Jahr. Die finanzielle Lage von Hettich bleibt unsicher, während das Unternehmen weiterhin mit branchenweiten Belastungen kämpft. Die Beschäftigten erhalten die vereinbarte Gehaltserhöhung zwar später, doch die unmittelbaren Auswirkungen auf ihr Einkommen haben bereits Diskussionen ausgelöst.






