Logistikbranche in Deutschland kämpft um Überleben durch Insolvenzwelle und Energiekosten
Eileen SontagLogistikbranche in Deutschland kämpft um Überleben durch Insolvenzwelle und Energiekosten
Deutschlands Transport- und Logistikbranche steht unter wachsendem finanziellen Druck. Steigende Kosten, schrumpfende Gewinnmargen und globale Störungen treiben immer mehr Unternehmen in die Insolvenz. Branchenverbände fordern nun dringend Steuersenkungen und Entlastungsmaßnahmen, um die Lage zu entschärfen.
Die wirtschaftliche Perspektive für deutsche Logistikunternehmen hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Im Jahr 2024 meldeten 469 Betriebe der Branche Insolvenz an – ein Anstieg um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahlungsausfälle zu Beginn des Jahres 2025 liegen mittlerweile über dem Fünfjahresdurchschnitt und deuten auf tiefgreifendere finanzielle Probleme hin.
Die globale Lage verschärft die Krise zusätzlich. Die Blockade der Straße von Hormus und die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten haben die Preise für Diesel und Energie in die Höhe getrieben. Besonders hart trifft es kleine und mittlere Speditionen, die oft mit Gewinnmargen unter drei Prozent arbeiten. Der Kreditversicherer Atradius warnt, dass mittlerweile jedes vierte dieser Unternehmen von der Pleite bedroht ist.
Die Energiekosten bereiten besondere Sorgen. Transportverbände drängen auf niedrigere Strom- und Energiesteuern sowie die Abschaffung der doppelten CO₂-Belastung im Straßengüterverkehr. Ohne Entlastung prognostiziert Atradius, dass die Verbraucherpreise – vor allem für Lebensmittel – in naher Zukunft um bis zu zehn Prozent steigen könnten. Gleichzeitig hat Oxford Economics seine Wachstumsprognose für den globalen Transport- und Logistiksektor im Jahr 2025 von 3,4 auf 2,4 Prozent nach unten korrigiert.
Fachkräftemangel und harter Wettbewerb verschärfen die Situation zusätzlich. Unternehmen kämpfen mit hohen Vorfinanzierungskosten, einem Mangel an Fahrern und steigenden Löhnen. Diese Herausforderungen lassen kaum Spielraum für eine Erholung – selbst wenn die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen stabil bleibt.
Von einer Entspannung der Lage ist nichts in Sicht. Ohne politische Kurskorrekturen oder Kostensenkungen drohen weitere Insolvenzen und höhere Verbraucherpreise. Die Transportbranche wird auch künftig mit knappen Margen, globaler Instabilität und wachsendem Betriebsdruck konfrontiert sein.






