Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft
Reinhild HänelSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft
Die inhaftierte belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa hat endlich den Internationalen Karlspreis erhalten, mit dem sie 2022 ausgezeichnet wurde. Die feierliche Übergabe fand am Samstag im Krönungssaal von Aachen statt – Jahre nach ihrer Inhaftierung. Ihr Fall bleibt ein Symbol des Widerstands gegen das autoritäre Regime von Alexander Lukaschenko.
Preisträger des Vorjahres war Mario Draghi, ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank und Italiens Ex-Ministerpräsident. Der Preis würdigt Verdienste um die europäische Einheit und demokratische Werte.
Kolesnikowa war 2020 wegen ihrer Rolle bei den Massenprotesten gegen Lukaschenko zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden. Trotz ihrer Inhaftierung ehrte sie die Karlspreis-Jury 2022 für ihren "außergewöhnlichen Mut" im Kampf für freie Wahlen und Menschenrechte in Belarus.
Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums, bezeichnete ihre Teilnahme an der Zeremonie als kraftvolles Zeichen der Solidarität. Er betonte, dass ihr Kampf stellvertretend für das Ringen um Demokratie in ganz Europa stehe. Die Veranstaltung lenkte den Blick auf die anhaltende Repression in Belarus, wo Lukaschenko als enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin weiter an der Macht bleibt.
Der seit 1950 jährlich verliehene Karlspreis hat bereits Persönlichkeiten wie Draghi für ihr Wirken in Europa gewürdigt. Kolesnikowas Fall hebt sich jedoch ab, da sie zum Zeitpunkt der Auszeichnung noch immer in Haft saß. Berichte vom März 2026 bestätigen, dass sich weder die politische Lage in Belarus noch die internationale Reaktion seit ihrem Urteil wesentlich verändert haben.
Nach der Preisverleihung soll Kolesnikowa in Deutschland politisches Asyl erhalten. Ihre angebliche Freilassung, die für Dezember 2025 angekündigt worden war, ist bis Anfang 2026 nicht offiziell bestätigt – es gibt keine amtlichen Unterlagen, die ihre Entlassung belegen.
Die Auszeichnung mit dem Karlspreis hält die internationale Aufmerksamkeit für die politischen Gefangenen in Belarus aufrecht. Das Asyl in Deutschland wird Kolesnikowa nach Jahren der Haft Sicherheit bieten. Unterdessen zeigt Lukaschenkos Regime keine Anzeichen dafür, die Unterdrückung von Opposition zu lockern.