10 June 2026, 16:32

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Debatte um politische Neutralität

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Debatte um politische Neutralität

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich nach einer Welle von Protesten vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen. Seine geplante Rolle als Jurymitglied löste eine Kontroverse aus, die schließlich zu seinem Ausschluss führte. Der Streit begann, als Filmemacher ihre Werke aus Protest gegen seine Beteiligung vom Festival zurückzogen.

Lapid, ein bekannter Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben. Festivalleiterin Tsveta Dobreva hatte ihn zunächst aus Respekt vor seinem Werk eingeladen, sah sich später jedoch wachsendem Druck ausgesetzt, ihn auszuschließen.

Etwa zehn Filmemacher, darunter die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, zogen ihre Filme aus der Auswahl zurück. Mari wies Vorwürfe der Zensur zurück. Lapid willigte schließlich ein, zurückzutreten, um weitere Konflikte zu vermeiden, äußerte jedoch Frustration über die eskalierenden Forderungen.

Als Reaktion unterzeichneten über 350 Branchenvertreter einen offenen Brief, der den Boykott verurteilte. Zu den Unterzeichnern gehörten Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard. Ein zweiter Meinungsbeitrag mit dem Titel Kino ist keine Botschaft argumentierte gegen den Boykott und verteidigte Lapids Recht auf Teilnahme. Der Brief betonte, sein Rückzug solle als Warnung dienen und als Aufruf, kritische Künstler zu unterstützen.

Die Auseinandersetzung verdeutlicht die Spannungen zwischen kulturellen Boykotten und künstlerischer Freiheit. Lapids Rückzug beendet zwar seine Beteiligung am Festival, lässt aber die Frage nach politischem Einfluss auf kulturelle Veranstaltungen unbeantwortet. Die offenen Briefe zeigen, dass die Debatte unter Filmschaffenden über den Umgang mit umstrittenen Persönlichkeiten weitergeht.

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