NDR feuert Julia Ruhs nach nur drei Folgen – war der Sender überfordert mit der Debatte?
Tatjana ReinhardtNDR feuert Julia Ruhs nach nur drei Folgen – war der Sender überfordert mit der Debatte?
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat Julia Ruhs als alleinige Moderatorin seines Reportagemagazins Klar abberufen. Die Entscheidung fiel nach nur drei Folgen und hat eine breite Debatte ausgelöst. Kritiker, darunter prominente Fernsehpersönlichkeiten, hinterfragen den Schritt des Senders.
Ruhs, die sich selbst als "konservativ-liberal" einordnet, hatte in nur drei Jahren den Aufstieg von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk (BR) zur Moderatorin geschafft. Noch vor ihrem Wechsel zum NDR kritisierte sie in ihrem 2023 erschienenen Buch Links-grüne Meinungsmacht. Die Spaltung unseres Landes offen, was sie als "links-grüne Meinungshoheit" bezeichnet. Zudem trat sie bei einer CSU-Veranstaltung in Bad Tölz auf, wo sie über Medien-"Blasen" und Algorithmen sprach, und war Gast im Cicero-Podcast, in dem sie argumentierte, Kritiker des Islamismus würden zu schnell als rechtsextrem abgestempelt.
Alle drei von Ruhs moderierten Klar-Folgen beim NDR waren redaktionell abgesegnet. Dennoch wurde sie nun durch Tanit Koch ersetzt – bleibt aber weiterhin Moderatorin der Sendung beim BR. Ein namentlich nicht genannter NDR-Redakteur behauptete später, der Sender habe ursprünglich ein "rechtes" Format schaffen wollen, um AfD-Wähler anzusprechen, sich dann aber umentschieden und Ruhs deswegen abberufen.
Die Entscheidung löste scharfe Reaktionen aus. Oliver Welke, Moderator der ZDF-heute show, kritisierte, der NDR hätte Ruhs behalten sollen – das Publikum "müsse mehr aushalten können". Ruhs selbst reagierte auf X (ehemals Twitter) und nannte den Beitrag der heute show "etwas gemein, aber sehr witzig". Die Komikerin Idil Baydar, bekannt als Jilet Ayse beim ZDF, verteidigte hingegen den NDR und schrieb auf X, es gehe darum, "Populismus und schlechten Journalismus" abzulehnen.
Die Abberufung Ruhs' vertieft die Gräben in der Debatte um die politische Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Während sie beim BR weiter als Moderatorin tätig bleibt, zeigt der Streit, wie sehr redaktionelle Ausrichtung und Publikumserwartungen aufeinanderprallen. Zu den internen Diskussionen, die zur Entscheidung führten, äußerte sich der Sender bisher nicht weiter.






