NGOs fordern radikale Wende in der deutschen Entwicklungspolitik vor globalen Krisen
Eileen SontagNGOs fordern radikale Wende in der deutschen Entwicklungspolitik vor globalen Krisen
Zwei führende Nichtregierungsorganisationen fordern dringende Reformen der deutschen Entwicklungspolitik. Welthungerhilfe und Terre des Hommes stellten am Mittwoch in Berlin ihre jährliche Bewertung vor. Dabei warnten sie vor wachsenden Belastungen durch globale Krisen, Kriege und den Klimawandel.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, sein Pendant bei Terre des Hommes, leiteten die Präsentation. Sie begrüßten zwar jüngste politische Neuausrichtungen, kritisierten aber das Fehlen einer klaren Strategie. Mogge betonte, dass Reformen sich auf die Qualität der Hilfe konzentrieren müssten – nicht nur auf deren Umfang. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Eigenständigkeit für zivilgesellschaftliche Gruppen.
Die Organisationen unterstrichen, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker an lokale Akteure angebunden werden müsse. Hofert argumentierte, Reformen dürften kein von Berlin gesteuerter Prozess sein, sondern müssten von Anfang an Partnerländer und die lokale Zivilgesellschaft einbeziehen. Zudem sei es notwendig, deutsche Interessen mit denen der Partnerländer in Einklang zu bringen.
Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt. Für 2027 sind weitere Kürzungen geplant. Trotz dieser Einschnitte forderten die NGOs eine Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro im Haushalt des kommenden Jahres. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass das internationale humanitäre Völkerrecht zunehmend missachtet werde und Hilfe politisiert werde.
Mogge hob hervor, dass Gelder stärker in Prävention fließen müssten – nicht nur in die Krisenbewältigung. Der gemeinsame Bericht warnt, dass sich die Lage für vulnerable Bevölkerungsgruppen ohne entschlossenes Handeln weiter verschärfen werde.
Der NGO-Bericht ruft zu sofortigem Handeln auf, um Lücken in der deutschen Entwicklungspolitik zu schließen. Gefordert werden höhere Finanzmittel, stärkere lokale Einbindung und ein Umsteuern hin zu präventiven Maßnahmen. Ohne diese Änderungen, so die Warnung, werde die Wirksamkeit der Hilfe weiter abnehmen.
