31 May 2026, 12:24

Prekäre Realität: Warum junge Berufstätige in Deutschland heute mehrere Jobs brauchen

Polyworking

Prekäre Realität: Warum junge Berufstätige in Deutschland heute mehrere Jobs brauchen

Das Leben junger Berufstätiger in Deutschland ist bis 2026 zunehmend prekär geworden. Rekordarbeitslosigkeit unter Absolventinnen und explodierende Lebenshaltungskosten zwingen viele dazu, mehrere Jobs gleichzeitig auszuüben, um über die Runden zu kommen. Für manche reicht selbst eine Vollzeitstelle nicht mehr aus, um finanziell stabil zu sein – geschweige denn, Rücklagen für die Zukunft zu bilden.

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Vor einem Jahr übernahm die Autorin zwei Teilzeitstellen in der Redaktion, um ihre Ausgaben zu decken. Beide Jobs basieren auf befristeten Verträgen – ein Abbild des größeren Trends zu wirtschaftlicher Instabilität und häufigen Entlassungen. Trotz einer Arbeitswoche von 50 bis 60 Stunden reichte das Einkommen aus einer einzigen Teilzeitstelle kaum für die Miete, sodass sich eine Vollzeitbeschäftigung – mit ihrer höheren Steuerlast – schlicht nicht lohnte.

Die Herausforderungen beschränken sich nicht auf finanzielle Sorgen. Schlafmangel ist zur Normalität geworden, während soziale Kontakte nur noch über hastige Sprachnachrichten und flüchtige Treffen aufrechterhalten werden. Dieser Spagat spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wider: Polyworking – also das gleichzeitige Ausüben mehrerer Jobs – ist für die Mittelschicht zur neuen Realität geworden.

Die Daten unterstreichen die Krise. Eine Umfrage des Bildungsforschungsinstituts Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass mittlerweile jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob hat. Die Anzahl der Teilzeitstellen ist seit 2020 um fast 69 Prozent gestiegen, besonders in Großstädten, wo die Mieten durch die Decke gehen. Allein in Berlin sind die Wohnkosten im letzten Jahrzehnt um 69 Prozent geklettert – fast eine Verdopplung im bundesweiten Vergleich. Viele Vollzeitjobs zahlen so wenig, dass Arbeitnehmer kaum die Grundkosten decken können, geschweige denn privat fürs Alter vorsorgen.

Für junge Akademikerinnen ist die Lage besonders düster. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe erreichte Anfang 2026 einen Rekordwert, sodass viele in unsichere, schlecht bezahlte Tätigkeiten gedrängt werden. Freiberufliche Projekte füllen oft die Lücken, bieten aber kaum Sicherheit in einer Wirtschaft, in der Stabilität wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkt.

Für viele bedeutet die Realität heute, sich ihr Einkommen aus verschiedenen Quellen zusammenzurechnen, um überhaupt die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu stemmen. Angesichts explodierender Mieten und stagnierender Löhne bietet der klassische Weg einer einzigen Festanstellung keine Sicherheit mehr. Für eine wachsende Zahl von Berufstätigen ist Polyworking längst zur Überlebensstrategie geworden.

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