Warum wir uns nachts in der Öffentlichkeit unsicher fühlen – trotz sinkender Kriminalität
Tatjana ReinhardtWarum wir uns nachts in der Öffentlichkeit unsicher fühlen – trotz sinkender Kriminalität
Die meisten Menschen fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden und in ihrer Nachbarschaft sicher – über 90 Prozent geben an, ein Gefühl der Geborgenheit zu empfinden. Doch diese Wahrnehmung verändert sich je nach Tageszeit, Ort und persönlichen Umständen deutlich. Bestimmte Gebiete – oft als "Angsträume" bezeichnet – lösen Besorgnis aus, selbst wenn die Kriminalitätsrate dort niedrig bleibt.
Die größten Ängste vor Straftaten treten auf, wenn sich Menschen nach Einbruch der Dunkelheit allein in der Öffentlichkeit bewegen. Fast drei von zehn Gewaltverbrechen im Jahr 2024 ereigneten sich im öffentlichen Raum, was die Unsicherheit in den Abend- und Nachtstunden verstärkt. Doch diese "Angsträume" decken sich nicht immer mit den Gebieten, in denen tatsächlich die meisten Straftaten verübt werden.
Bahnhöfe sind ein Ort, an dem die öffentliche Angst und die Realität übereinstimmen. Diebstähle und andere Delikte kommen dort häufiger vor, was unter anderem auf das Gedränge und die Möglichkeiten zur schnellen Flucht zurückzuführen ist. Erhöhte Polizeistreifen spiegeln dieses Muster wider.
Generell ist Kriminalität in Städten häufiger als auf dem Land. Urbane Räume bieten mehr Gelegenheiten für Straftaten und weniger engmaschige soziale Kontrolle durch die Gemeinschaft. Junge Männer tauchen in der Kriminalstatistik am häufigsten auf, wobei Faktoren wie Gewalt in der Kindheit, ein niedriges Haushaltseinkommen und der Umgang mit delinquenten Gleichaltrigen eine Rolle spielen.
Physische und soziale Verfallserscheinungen – wie Graffiti, schlechte Beleuchtung oder herumstehende Personengruppen – verstärken oft das Gefühl der Bedrohung. Doch diese Anzeichen sagen nicht zwangsläufig etwas über die tatsächliche Kriminalitätsrate aus. Sicherheitsbedenken unterscheiden sich zudem nach Alter, Geschlecht und Wohnort: Frauen und ältere Menschen äußern in der Regel größere Ängste.
Während sich die Mehrheit zu Hause sicher fühlt, lösen öffentliche Räume bei Nacht weiterhin Unbehagen aus. Die Kluft zwischen wahrgenommener Gefahr und tatsächlicher Kriminalität zeigt, wie komplex es ist, Ängste in der Bevölkerung zu adressieren. Bahnhöfe bleiben dabei ein Brennpunkt – sowohl für reale Straftaten als auch für verstärkte Sicherheitsvorkehrungen.






