30 March 2026, 10:29

Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer zurückgewinnen wollen

Schwarze-weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift 'Weitpreubliche Zeitung', die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Atmosphäre zeigt.

Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer zurückgewinnen wollen

ARD und ZDF setzen auf neue Formate, um junge Zuschauer zu erreichen

Eine aktuelle Studie der Otto Brenner Stiftung stellt fünf Reportage-Reihen vor, die speziell für ein Publikum zwischen 14 und 29 Jahren konzipiert wurden. Diese Formate brechen mit dem klassischen Journalismus, indem sie auf persönliche, emotional geprägte Erzählweisen setzen.

Hintergrund ist der wachsende Trend, dass junge Zuschauer lineares Fernsehen zunehmend zugunsten von Streaming-Diensten und sozialen Medien meiden. Die öffentlich-rechtlichen Sender hoffen, mit diesen innovativen Formaten eine Generation zurückzugewinnen, die Inhalte vor allem digital konsumiert.

Die fünf analysierten Reihen – "VOLLBILD", "exactly", "Ultraviolett stories", "Crisis – Hinter der Front" und "PULS Reportage" – rücken die Reporter selbst in den Mittelpunkt der Geschichten. Anders als im traditionellen Journalismus, wo Neutralität und Sachlichkeit zentral sind, basieren diese Formate oft auf der subjektiven Perspektive der Journalisten. Dieser Ansatz spiegelt die Selbstinszenierung wider, wie sie auf sozialen Medien üblich ist, und macht die Inhalte für junge Zuschauer greifbarer.

Doch die Strategie hat auch Schwächen. Einige Reihen wirken austauschbar, wiederholen ähnliche Themen oder verzichten auf tiefgehende Recherche. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer die Flut an "ich-zentrierten" Formaten langsam überdrüssig werden. Wenn die Sichtweise des Reporters dominiert, gerät das eigentliche Thema mitunter in den Hintergrund.

Trotz dieser Herausforderungen verzeichnen bestimmte Formate starke digitale Zuwächse. "Terra X", eine reportageartige Sendung, steigerte seine Abrufe in der Mediathek von 6,34 Millionen im Jahr 2010 auf über 30 Millionen im Jahr 2023. Auf YouTube erreichte die Reihe 175 Millionen Aufrufe, während die lineare TV-Ausstrahlung im vergangenen Jahr noch 3,55 Millionen Zuschauer (14,8 Prozent Marktanteil) verzeichnete. Diese Zahlen zeigen: Selbst wenn das klassische Fernsehen an Bedeutung verliert, kann gut angepasstes Content-Format online erfolgreich sein.

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Die neuen Reportage-Formate markieren einen deutlichen Bruch mit der traditionellen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender. Durch den Fokus auf persönliche Erzählungen wollen ARD und ZDF junge Zuschauer dort erreichen, wo sie sich am häufigsten aufhalten – auf digitalen Plattformen. Ob dieser Ansatz langfristig funktioniert, bleibt abzuwarten. Doch die bereits sichtbare Veränderung der Sehgewohnheiten macht deutlich: Die Sender müssen sich weiterentwickeln, um relevant zu bleiben.

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