Wie ein Theaterbesuch mit nacktem Schauspieler Ängste in Applaus verwandelte
Eileen SontagWie ein Theaterbesuch mit nacktem Schauspieler Ängste in Applaus verwandelte
Ein kühnes Experiment im Umgang mit Ängsten führte zu einem überraschenden Theaterabend
Alles begann mit einer Liste unangenehmer Aufgaben – darunter der Besuch eines Stücks mit einem Schauspieler, der für seine nackten Auftritte bekannt ist. Das Ziel war klar: Ängste durch schrittweise Konfrontation überwinden.
Was folgte, war eine Mischung aus Schock, Gelächter und sogar Beifall für ein Stück, das apokalyptische Themen mit roher menschlicher Widerstandskraft verband.
Die Idee entstand, als Freunde mich fragten, ob ich die neueste Produktion in einem der großen Berliner Theater gesehen hätte. Statt auszuweichen, gab ich zu, dass ich mich vor dem berühmten Schauspieler fürchtete, der oft nackt auf der Bühne steht. Ein Freund scherzte, eine Desensibilisierungstherapie könnte helfen – und so entstand die Herausforderungsliste.
Die Aufgaben reichten von peinlich bis mutig: Nacktstrände an Nord- und Ostsee standen darauf. Doch der erste Test war eindeutig – den Auftritt genau jenes Schauspielers zu besuchen, vor dem ich mich fürchtete.
Das Stück selbst war ein Spektakel: visuell beeindruckend, verwebte es Überleben, Gemeinschaft und den Weltuntergang. Statt der befürchteten peinlichen Erfahrung reagierte das Publikum mit begeistertem Jubel. Einmal rief eine Stimme verärgert „Buh!“ – doch der Rest übertönte sie mit Beifall.
Nach der intensiven Vorstellung kam die Erholung in unerwarteter Form: Eine Vorführung von Mel Brooks’ „Frühling für Hitler“ sorgte für die perfekte komische Entlastung. Die Absurdität des Films lockerte die Stimmung und bewies, dass manchmal das beste Mittel gegen Angst das Lachen ist.
Das Experiment endete mit Applaus, einigen Überraschungen und neu gewonnenem Selbstvertrauen. Das Stück, obwohl konfrontativ, war weder von René Pollesch noch die Katastrophe, die ich befürchtet hatte. Stattdessen wurde es zur Erinnerung daran, dass das Stellen der Ängste oft zu unerwarteten Belohnungen führt – und gelegentlich zu einem sehr unterhaltsamen Abend.






