Deutsche Bahn droht mit Streichungen von Zugverbindungen in Bayern wegen maroder Gleise
Oscar KabusMarode Bahn: Zugstreichungen in der Diskussion - Deutsche Bahn droht mit Streichungen von Zugverbindungen in Bayern wegen maroder Gleise
Die Deutsche Bahn erwägt die Streichung von Zugverbindungen in Bayern, da sich der Zustand des Schienennetzes in der Region zunehmend verschlechtert. Die möglichen Kürzungen folgen auf Warnungen, dass jahrelange Vernachlässigung das System dringend sanierungsbedürftig gemacht hat. Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hat zwar einen größeren Stillstand verhindert, räumt jedoch ein, dass die Behebung der grundlegenden Probleme mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird.
Das Ausmaß der Krise wurde nach einem Treffen zwischen Bahnchefin Evelyn Palla und Landesvertretern deutlich. Der CSU-Verkehrsexperte Jürgen Baumgärtner enthüllte später im Landtag, dass es zu Einschränkungen im Betrieb kommen könnte. Die Deutsche Bahn hat bisher keine genauen Angaben bestätigt, kündigte jedoch eine offizielle Stellungnahme bis Ende dieser oder Anfang nächster Woche an.
Sowohl Palla als auch Bernreiter sind sich einig, dass die bayerische Schieneninfrastruktur unter jahrelanger Unterfinanzierung leidet. Der Minister betonte, man wolle Fahrten wo immer möglich aufrechterhalten – konkrete Pläne, wie viele Verbindungen betroffen sein könnten, gibt es jedoch nicht. Unterdessen schlug Philipp Nagl, Chef von DB Infrago, vor, durch Anpassungen bei der Trassenvergabe Qualität und Kapazität besser in Einklang zu bringen, ohne dabei konkrete Maßnahmen zu nennen.
Die Grünen forderten die Landesregierung auf, die Mittel für den Schienenverkehr umgehend zu erhöhen. Großprojekte in Deutschland ziehen sich oft über Jahrzehnte hin: Die Strecke Karlsruhe–Basel wird beispielsweise seit 1987 ausgebaut und könnte erst 2035 fertiggestellt werden. Selbst kleinere Vorhaben wie die 63 Kilometer lange Elektrifizierung der Strecke Lübeck–Bad Kleinen sind erst für 2028 geplant.
Noch in diesem Jahr hatte die Deutsche Bahn eine monatelange Vollsperrung der Strecke München–Rosenheim für 2028 vorgeschlagen. Bernreiter lehnte den Plan kategorisch ab und erklärte, eine derart lange Sperrung sei inakzeptabel.
Da das Schienennetz über Jahre hinweg vernachlässigt wurde, werden die Sanierungsarbeiten sich über einen langen Zeitraum erstrecken – schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Die anstehende Ankündigung der Bahn wird zeigen, welche Verbindungen gestrichen oder mit Verspätungen rechnen müssen. Bis dahin bleiben Fahrgäste und Politiker gleichermaßen ohne klare Antworten.