Evonik streicht 3.200 Jobs – ein weiterer Schlag für die deutsche Industrie
Oscar KabusEvonik streicht 3.200 Jobs – ein weiterer Schlag für die deutsche Industrie
Evonik hat Pläne bekannt gegeben, weitere 3.200 Arbeitsplätze abzubauen – vor allem an seinen deutschen Standorten. Dieser Schritt verschärft den ohnehin bereits spürbaren Rückgang im deutschen Industriesektor, der seit 2019 über 340.000 Stellen verloren hat. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion ins Ausland, getrieben von steigenden Kosten und Lieferkettenproblemen.
Bis Ende des ersten Quartals 2026 hatte die deutsche Industrie 127.300 Arbeitsplätze abgebaut, ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 ist jede siebzehnte Stelle in der Branche gestrichen worden. Nur noch 16 Prozent der Unternehmen planen, ihren Personalbestand in Deutschland auszubauen – ein Trend, der sich in ganz Westeuropa beobachten lässt.
Hohe Lohnkosten, die 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen und mehr als doppelt so hoch sind wie in Asien oder Osteuropa, gelten als Hauptgrund. Teure Energie und übermäßige Bürokratie treiben Unternehmen zusätzlich dazu, Produktion und Forschung zu verlagern. Viele setzen auf eine „Local-for-Local“-Strategie, um Lieferkettenrisiken zu verringern.
Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vor allem in die Instandhaltung bestehender Standorte und Automatisierung. Fast jedes befragte Industrieunternehmen will bis 2030 seine Präsenz in Indien ausbauen, auch wenn das erwartete Umsatzwachstum von 4 Prozent kaum neue Arbeitsplätze schaffen dürfte. Fast die Hälfte plant zudem, mehr Forschung und Entwicklung in Regionen wie China zu verlagern, wo Produkte zunehmend an lokale Märkte angepasst werden.
Die jüngsten Stellenstreichungen bei Evonik spiegeln die wachsenden Herausforderungen der deutschen Industrie wider. Unternehmen setzen auf Kostensenkung und die Nähe zu wichtigen Absatzmärkten. Investitionen in Deutschland werden zwar fortgesetzt, doch vorrangig für Modernisierungen statt für Expansion.
