Koblenzer Privatuni vor dem Aus: 400.000 Euro retten die Gesellschaftsgestalter
Tatjana ReinhardtKoblenzer Privatuni vor dem Aus: 400.000 Euro retten die Gesellschaftsgestalter
Private Universität für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz vor dem finanziellen Kollaps
Die Private Universität für Gesellschaftsgestaltung (Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, HfGG) in Koblenz steuert auf eine sich verschärfende Finanzkrise zu. Ohne eine dringend benötigte Kapitalzufuhr in Höhe von 400.000 Euro droht der Hochschule bis Anfang 2026 die Schließung. Um das Überleben der Einrichtung während einer turbulenten Führungsübergabe zu sichern, ist nun die Spendenkampagne "Gemeinsam die Brücke zur nächsten Gesellschaft bauen" gestartet.
Die Krise fällt in eine Phase des Umbruchs: Prof. Dr. Silja Graupe, seit der Gründung der Hochschule 2014 deren Präsidentin, scheidet aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Amt. Ihr Rückzug belastet den ohnehin angespannten Haushalt zusätzlich – bisher waren rund 80 Prozent der HfGG-Finanzierung an ihre Führungsrolle geknüpft.
Die finanziellen Probleme der Universität haben sich seit 2023 dramatisch zugespitzt. Die jährlichen Defizite stiegen von 200.000 Euro auf über 1,5 Millionen Euro im Jahr 2025 – bedingt durch einen raschen Personalausbau von 20 auf 50 Lehrkräfte sowie gescheiterte Fundraising-Bemühungen. Ein Skandal um Fehlmanagement durch die Mitgründerin Dr. Anna Müller im Jahr 2024 führte zudem zum Verlust wichtiger Förderer. Nach einer Prüfung, die Unregelmäßigkeiten aufdeckte, strich das Land zudem staatliche Zuschüsse, was die HfGG in eine Liquiditätskrise stürzte.
Mit der neuen Spendenaktion sollen bis zum 22. März 400.000 Euro eingesammelt werden – unter anderem durch den Verkauf von 500 symbolischen "Brückensteinen" zu je 800 Euro. Auch kleinere Beträge sind willkommen. Sollte das Ziel verfehlt werden, verspricht die Hochschule, alle Spenden ab 50 Euro zurückzuerstatten. Die Mittel sollen den Betrieb während der aktuellen Umbruchsphase stabilisieren und die langfristige Entwicklung sichern.
Prof. Dr. Silja Graupe, die die akademische Ausrichtung der HfGG seit ihrer Gründung geprägt hat, wird ihr Präsidentenamt zu Beginn des Sommersemesters niederlegen. Sie bleibt der Hochschule jedoch als Professorin erhalten und wird weiterhin in Lehre und Forschung tätig sein. Der Senat hat bereits eine Findungskommission eingesetzt, um eine Nachfolge zu regeln. Als möglicher Kandidat gilt Prof. Dr. Lars Hochmann.
Um den Lehrbetrieb im Sommersemester aufrechterhalten zu können, sind die 400.000 Euro unverzichtbar. Der Erfolg der Kampagne wird entscheiden, ob die HfGG die Führungswechsel und die finanzielle Schieflage bewältigen kann. Ohne ausreichende Mittel droht der Hochschule innerhalb der nächsten zwei Jahre die Schließung.






