Pendlerströme in Sachsen-Anhalt schwächen sich erstmals ab – was steckt dahinter?
Tatjana ReinhardtAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Pendlerströme in Sachsen-Anhalt schwächen sich erstmals ab – was steckt dahinter?
Grenzüberschreitendes Pendeln in Sachsen-Anhalt leicht rückläufig
Die aktuellen Zahlen zeigen einen leichten Rückgang beim grenzüberschreitenden Pendeln in Sachsen-Anhalt. Sowohl die Zu- als auch die Abwanderung von Arbeitskräften ist gesunken – als Hauptgrund gilt das schwächere Jobwachstum. Der Trend spiegelt tiefgreifendere wirtschaftliche und demografische Veränderungen in der Region wider.
Stand Juni 2025 pendelten rund 75.700 Beschäftigte aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt ein – ein leichter Rückgang gegenüber den Vorjahren. Die meisten kamen aus dem Nachbarland Sachsen, gefolgt von Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg. Zusätzlich reisten etwa 5.400 Arbeitnehmer aus dem Ausland an, um im Land zu arbeiten.
Gleichzeitig arbeiteten rund 148.000 Einwohner Sachsen-Anhalts außerhalb des Bundeslandes – etwa 600 weniger als noch 2024. Die meisten pendelten nach Sachsen, Niedersachsen und Thüringen. Besonders Fachkräfte aus den Bereichen Fertigung, Einzelhandel, Kfz-Instandhaltung, Transport und Bauwesen verließen das Land für Arbeitsplätze anderswo.
Wirtschaftliche Umbrüche haben diese Entwicklung maßgeblich geprägt. Traditionelle Branchen wie Bergbau, Stahl und verarbeitendes Gewerbe – einst das Rückgrat der Wirtschaft Sachsen-Anhalts – sind geschrumpft. Auch kohleabhängige Sektoren haben an Bedeutung verloren. Gleichzeitig kämpft die Region mit demografischen Herausforderungen: Jährlich geht die erwerbsfähige Bevölkerung um etwa 0,5 bis 1 Prozent zurück. Vor allem jüngere Arbeitskräfte ziehen in westdeutsche Bundesländer ab, um bessere Chancen zu nutzen – was den Kreis potenzieller Pendler weiter verringert.
Der Rückgang beim grenzüberschreitenden Pendeln unterstreicht die anhaltenden wirtschaftlichen und bevölkerungsbedingten Veränderungen in Sachsen-Anhalt. Angesichts schrumpfender Arbeitsplätze in klassischen Branchen und einer alternden Belegschaft dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Aktuell pendelt noch etwa jeder fünfte Erwerbstätige aus dem Land heraus, um anderswo zu arbeiten.