Villeroy & Boch drosselt Prognose 2026 wegen Nahost-Krise und Handelschaos
Tatjana ReinhardtIran-Krieg trübt Ausblick für Villeroy & Boch - Villeroy & Boch drosselt Prognose 2026 wegen Nahost-Krise und Handelschaos
Villeroy & Boch senkt Prognose für 2026 wegen eskalierendem Nahostkonflikt
Der traditionsreiche Keramik- und Sanitärhersteller Villeroy & Boch hat seine Finanzprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert – Grund ist die verschärfte Lage im Nahen Osten. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem deutlichen Umsatzrückgang. Einst lukrative Märkte in Israel und den Golfstaaten sind zum Erliegen gekommen.
Das 1748 gegründete und in Mettlach ansässige Unternehmen beschäftigt weltweit fast 12.000 Mitarbeiter. Die aktuelle Einschätzung spiegelt die schweren wirtschaftlichen Folgen der regionalen Instabilität wider.
Noch im März 2024 hatte Villeroy & Boch eine Geschäftsprognose veröffentlicht, die von stabilen Handelsbedingungen ausging. Seither hat sich der Konflikt im Nahen Osten zugespitzt: Im Juni 2025 griff Israel den Iran mit Luftangriffen an, im Februar 2026 folgte ein US-Angriff, bei dem Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Der Iran reagierte mit Gegenmaßnahmen, was die Region weiter destabilisierte.
Die Gewalt hat Handelsrouten und Energieversorgung lahmgelegt. Minen und Angriffe blockierten die Straße von Hormus, während Anschläge auf katarische Flüssiggas-Anlagen und Raffinerien des saudischen Ölkonzerns Aramco den Ölpreis um über 10 Dollar pro Barrel in die Höhe trieben. Die Gaspreise verdoppelten sich, bedrohten die globale Energiesicherheit und trieben 45 Millionen Menschen in Richtung Hunger. Villeroy & Boch, das in diesen Märkten stark engagiert ist, erzielt dort mittlerweile keine Umsätze mehr.
Trotz der Turbulenzen verzeichnete das Unternehmen 2025 ein Umsatzplus von 1,8 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg auf 14,7 Millionen Euro. Zudem investierte Villeroy & Boch im vergangenen Jahr 45,8 Millionen Euro und plant für 2026 Ausgaben von bis zu 50 Millionen Euro. Um die Produktion effizienter zu gestalten, schloss das Unternehmen sein Werk in Roeselare (Belgien) und verlegte die Herstellung von Acryl-Badewannen nach Ägypten.
Die überarbeitete Prognose für 2026 geht nun von einem Umsatzrückgang im "mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich" aus. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wird auf 75 bis 85 Millionen Euro erwartet.
Der eskalierende Konflikt zwingt Villeroy & Boch, seine Finanzplanung anzupassen. Mit unterbrochenen Handelswegen und explodierenden Energiepreisen steht das Unternehmen vor einem schwierigen Jahr. Die getätigten Investitionen und Umstrukturierungsmaßnahmen müssen sich nun in einem Umfeld zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit im Nahen Osten bewähren.






