Warum ein Hamburger den Dom-Rummelplatz plötzlich mit anderen Augen sieht
Eileen SontagWarum ein Hamburger den Dom-Rummelplatz plötzlich mit anderen Augen sieht
Ein langjähriger Hamburger teilt seine zwiespältigen Gefühle über den berühmten Dom-Rummelplatz
Seit 26 Jahren lebt er in der Nähe des Heiligengeistfelds und hat miterlebt, wie das Volksfest dreimal im Jahr zurückkehrt. Doch trotz der Vertrautheit hinterlassen manche Attraktionen inzwischen ein mulmiges Gefühl – besonders die immer extremer werdenden Fahrgeschäfte.
Der Autor gesteht, dass er noch immer eine gewisse Scheu vor den Losbuden hat, an denen übergroße Plüschtiere als Preise locken. Doch seine eigentlichen Bedenken gelten den Fahrgeschäften, die Grenzen von Sicherheit und Vernunft auszureizen scheinen. Freunde überredeten ihn einst zu einer "Aussichtsgondel", die 70 Meter in die Höhe steigt. Zu seiner Überraschung war die Fahrt weniger furchteinflößend als befürchtet – die Kabine wirkte stabil, und es gab genug Haltemöglichkeiten.
Irgendwann erklärte er sogar eine Regel: "Wer mit mir im Aufzug hochfährt, muss auch mit mir wieder runterfahren." Trotzdem hat er keine Lust, das Abenteuer zu wiederholen. Von seinem Balkon aus beobachtet er, wie Mutige sich den wildesten Attraktionen stellen – und widersteht dem Drang, ihnen Warnrufe über die Risiken zuzubrüllen.
Doch die Fahrgeschäfte wirken heute gefährlicher denn je. Was einst als Spaß galt, fühlt sich mittlerweile leichtsinnig an – und so hat der Autor keine Lust mehr, selbst mitzumachen.
Nach Jahrzehnten als Nachbar des Rummelplatzes hat er einen Entschluss gefasst: keine Aussichtsgondeln mehr, keine Losbuden mehr und kein stummes Bangen vom Balkon aus. Die Fahrgeschäfte des Doms mögen immer wilder werden – seine eigenen Tage als Mitmacher sind vorbei. Vorerst wird er sich auf das Zuschauen aus sicherer Distanz beschränken.






