BP kämpft mit Rekordölpreisen und radikalem Umbau seiner Strategie bis 2027
Eileen SontagBP kämpft mit Rekordölpreisen und radikalem Umbau seiner Strategie bis 2027
BP treibt angesichts stark steigender Ölpreise und wachsender Belastungen für die globalen Lieferketten eine umfassende Umstrukturierung voran. Der Marktwert des Konzerns ist von rund 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 80 bis 90 Milliarden US-Dollar zu Beginn des Jahres 2026 gesunken – eine Folge der schwankenden Energiemärkte, geopolitischer Spannungen und der Neuausrichtung des Unternehmens hin zu erneuerbaren Energien. Nun prägen neue Sparziele und der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen die Strategie des Ölmulti.
Der Energiekonzern hat sein Einsparziel für das Jahr 2027 auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar angehoben. Mit dieser Maßnahme will BP seine Finanzen stabilisieren und die künftige Liquidität inmitten anhaltender Marktunsicherheiten sichern. Gleichzeitig beschleunigt das Unternehmen die interne Umstrukturierung, um sich an die explodierenden Ölpreise anzupassen, die aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus kürzlich auf 112 US-Dollar pro Barrel gestiegen sind – was fast 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggastransporte (LNG) beeinträchtigt.
BP hat zudem vereinbart, seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group zu verkaufen. Der Deal umfasst rund 1.800 Mitarbeiter sowie eine Anlage mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen und könnte das Unternehmen von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten entlasten. Die Bank HSBC reagierte darauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten" und erhöhte gleichzeitig das Kursziel.
Unterdessen haben sich die Arbeitskonflikte in der BP-Raffinerie Whiting im Bundesstaat Indiana zugespitzt: Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen wurden etwa 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte ausgeschlossen. Die Unternehmensführung betont jedoch, dass die Produktion nicht ernsthaft beeinträchtigt werde. Zudem treibt BP seinen Plan voran, bis 2027 Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern – bisher wurden bereits Verkäufe in Höhe von über 11 Milliarden US-Dollar realisiert.
Die US-Regierung hat die Lieferkettenengpässe vorübergehend gelindert, indem sie eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung für den Jones Act erteilte. Dadurch dürfen ausländische Schiffe Waren zwischen US-Häfen transportieren, was einen Teil der logistischen Belastungen durch globale Störungen abfedert.
BP reagiert mit diesen Schritten auf ein sich rasant wandelndes Energiemarktumfeld. Mit höheren Sparzielen, dem Verkauf von Beteiligungen und anhaltenden betrieblichen Herausforderungen arbeitet der Konzern daran, seine finanzielle Lage zu konsolidieren. Wie sich diese Maßnahmen auswirken, hängt davon ab, wie sich die Ölmärkte und die globalen Lieferketten in den kommenden Monaten entwickeln.






