03 April 2026, 02:26

EMAF-Festival in Osnabrück gerät wegen palästinensischer Künstlerin in die Kritik

Plakat für ein Festival in München mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und B├Ąumen mit Text.

EMAF-Festival in Osnabrück gerät wegen palästinensischer Künstlerin in die Kritik

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück steht wegen seiner Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, bekannt unter dem Pseudonym Al-Sharif, zu zeigen, in der Kritik. Ihre Teilnahme hat eine Debatte ausgelöst, bei der sich Stadtvertreter distanzieren, während das Festival an seiner Wahl festhält. Der Streit dreht sich weniger um ihr künstlerisches Werk als vielmehr um frühere Beiträge in sozialen Medien.

Das diesjährige Festivalmotto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollendete Versammlung) befasst sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung – Themen, die nun im Mittelpunkt der Kontroverse stehen. Das EMAF wird Al-Sharifs Film "Morning Circle" im Rahmen seines Programms zeigen. Der Festivalvorstand unterstützt ihre Arbeit und hat ihre Filme bereits in vergangenen Jahren präsentiert. Der künstlerische Leiter Marcell Mars bezeichnete ihre Social-Media-Posts, darunter ein Halloween-Foto, als interpretationswürdig, aber nicht pauschal anstößig.

Kritik kommt von Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann, der erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Beitrag aus dem Programm zu nehmen. Er verwies auf Bedenken, antisemitische Positionen zu fördern – ein Vorwurf, der mit ihrer angeblichen Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) in Verbindung gebracht wird. Auch die Stadt Osnabrück und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben sich wegen ihrer Teilnahme vom Festival distanziert.

Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, entgegnete, dass das Schweigen palästinensischer Stimmen unter dem Vorwurf des Antisemitismus notwendige Dialoge ersticken könnte. Er betonte die Bedeutung, vielfältige Perspektiven zu hören. Das EMAF hat in der Vergangenheit wiederholt mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, integriert aber auch jüdische und israelische Standpunkte in sein Programm.

Die BDS-Bewegung, 2005 als gewaltfreie, palästinensisch geführte Kampagne gestartet, hat international Aufmerksamkeit durch Boykotte gegen Unternehmen wie Veolia, Alstom und Orange erlangt. Allerdings wird sie in verschiedenen Ländern unterschiedlich bewertet – manche Regierungen haben ihre Aktivitäten sogar rechtlich eingeschränkt.

Trotz des Widerstands lokaler Politiker bleibt die Festivalleitung bei ihrer Entscheidung, Al-Sharifs Film zu zeigen. Die Diskussion spiegelt die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit, politischer Äußerung und Antisemitismusvorwürfen wider. Das EMAF bekräftigt damit sein Engagement, komplexe Fragen der Verantwortung in der Kunst zu thematisieren.

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