Daniel Josefsohns unveröffentlichte Bilder zeigen Berlins wilde Nachwendezeit

Reinhild Hänel
Reinhild Hänel
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Ein Gestell mit verschiedenen Büchern und Plakaten mit der Aufschrift "Ich liebe Berlin" vor einem sanft unscharfen Hintergrund.Reinhild Hänel

Daniel Josefsohns unveröffentlichte Bilder zeigen Berlins wilde Nachwendezeit

Zwei Ausstellungen in Berlin präsentieren derzeit das Werk des Fotografen Daniel Josefsohn, der 2016 starb. Seine Bilder halten die ungebändigte Energie der Jugend und die dramatischen Umbrüche in Deutschland nach dem Fall der Berliner Mauer fest. Eine Schau zeigt bisher unveröffentlichte Aufnahmen, eine andere stellt seine Arbeiten neben denen von 37 weiteren Künstlern aus.

Die Einzelausstellung 'Daniel Josefsohn: Unseen' ist noch bis zum 18. November 2023 in der Galerie Crone in der Fasanenstraße zu sehen. Kuratiert von Ingo Taubhorn, dem ehemaligen Leiter des Hamburger Hauses der Photographie, umfasst sie 81 sorgfältig ausgewählte Aufnahmen. Zwei Selbstporträts rahmen die Ausstellung ein – eines zu Beginn, eines am Ende –, beide durchdrungen von einer beeindruckenden Lebendigkeit.

Josefsohns Fotografie hebt sich von Zeitgenossen wie Nan Goldin oder Wolfgang Tillmans ab, obwohl er sich in denselben Kreisen bewegte. Trotz seiner Erfahrung in der Magazinfotografie vermeidet sein Werk den glatten Look kommerzieller Aufträge. Stattdessen spiegelt es die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des Deutschlands nach 1989 wider, besonders in Serien wie 'Ostberlin 1989–1992' oder 'Deutschland, einig Vaterland?'. Die Bilder dokumentieren den Zusammenbruch sozialistischer Strukturen, den Aufstieg der Konsumkultur und die menschlichen Geschichten hinter der Wiedervereinigung in Städten wie Berlin und Leipzig.

Unterdessen ist Josefsohn mit einer Arbeit in der Gruppenausstellung 'Show Your Darling V' in der Galerie ep.contemporary (Pohlstraße 71) vertreten. Die bis zum 18. Oktober 2023 laufende Schau versammelt 38 Fotografen unter dem Motto 'Alle Fehler korrigiert!' – mal praktisch, mal juristisch oder konzeptionell interpretiert. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 15:00 bis 18:30 Uhr sowie samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr.

Josefsohns Fotografien bieten einen direkten, ungeschönten Blick auf eine prägende Epoche der deutschen Geschichte. Die beiden Ausstellungen ermöglichen unterschiedliche Zugänge zu seinem Erbe – die eine durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit unveröffentlichten Werken, die andere durch die Einbettung seiner Vision in den Kontext einer neuen Künstlergeneration. Beide sind noch einige Wochen für Besucher geöffnet.

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