Junge Europäer:innen und Nahost-Aktivist:innen suchen nach gemeinsamer Erinnerungskultur

Oscar Kabus
Oscar Kabus
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Ein Feld rechteckiger Betonplatten in verschiedenen Höhen, die in einem Gittermuster angeordnet sind, bekannt als Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, Deutschland.Oscar Kabus

Junge Europäer:innen und Nahost-Aktivist:innen suchen nach gemeinsamer Erinnerungskultur

Achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs brachte eine Konferenz in Berlin junge Europäer:innen, Palästinenser:innen und Israelis zusammen, um sich mit gemeinsamen Geschichten auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung stellte lang gehegte Erzählungen infrage und zeigte sowohl tiefe Gräben als auch unerwartete Gemeinsamkeiten auf. Für eine Teilnehmerin weckten die Diskussionen vorsichtige Hoffnung auf Versöhnung in einer Region, die noch immer von Konflikten geprägt ist.

Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, darzulegen, wie ihre Länder den Zweiten Weltkrieg erinnern. Viele junge Europäer:innen verknüpften ihre nationale Identität stark mit der Opferrolle und blendeten dabei oft die eigene Aggressionsgeschichte ihrer Nationen aus. Einige warnten, dass diese Perspektive historische Verantwortung in den Hintergrund drängen könnte.

Die israelische Erzählung konzentrierte sich schwerpunktmäßig auf den Holocaust als prägendes Trauma. Eine Rednerin fragte, ob dieser Fokus nicht manchmal das Leid der Palästinenser:innen überlagere, deren Alltag eher von Soldaten an Checkpoints oder Siedler:innen als von zivilgesellschaftlichen Begegnungen mit Israelis geprägt sei. Zeynep Karaosman, eine palästinensische Friedensaktivistin, widersprach Klischees, indem sie auf gemeinsame Kämpfe von Palästinenser:innen und Israelis hinwies.

Frühere Initiativen hatten bereits den Boden für solche Gespräche bereitet. 2022 besuchten französische und deutsche Studierende aus Städten wie Stuttgart, Tübingen und Pau Orte wie das Internierungslager Gurs und das Château d'Orion. Sie setzten sich mit Themen wie kollektivem Gedächtnis, Musik und Kunst im Kontext der NS-Deportationen auseinander. Anfang 2025 erkundeten junge Freiwillige des Bundesfreiwilligendienstes den Erinnerungsort BADEHAUS und verbanden die Holocaust-Erinnerung mit weiteren Friedensinitiativen.

Für die Autorin wurde die Konferenz zu einem Wendepunkt. Die Begegnung mit Nachfahr:innen ehemaliger Feind:innen – die heute im offenen Dialog stehen – zwang sie, eingespielte Annahmen zu hinterfragen. Die Erfahrung warf eine schwierige, aber notwendige Frage auf: Könnte aus solchen ehrlichen Austauschprozessen eine andere Zukunft erwachsen?

Die Berliner Zusammenkunft löste keine tief verwurzelten Konflikte, doch sie deckte Lücken in historischen Erzählungen auf und zeigte kleine Schritte in Richtung Verständigung. Junge Europäer:innen, Palästinenser:innen und Israelis verließen die Konferenz mit einem klareren Bewusstsein dafür, wie Erinnerung Identität prägt – und wie die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit die Zukunft verändern könnte. Die Herausforderung liegt nun darin, aus diesen Gesprächen dauerhaftes Handeln werden zu lassen.

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