"Miss Germany" 2024: Warum Kopftuchträgerinnen und Wissenschaftlerinnen den Wettbewerb revolutionieren

Reinhild Hänel
Reinhild Hänel
2 Min.
Eine Gruppe von Frauen in traditioneller bayrischer Tracht spaziert strahlend durch eine Straße, umgeben von Bäumen und Gebäuden, auf einem Schwarz-Weiß-Bild.Reinhild Hänel

"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany" 2024: Warum Kopftuchträgerinnen und Wissenschaftlerinnen den Wettbewerb revolutionieren

Deutschland krönt an diesem Wochenende seine neue "Miss Germany" – in einem Wettbewerb, der sich deutlich von klassischen Schönheitswettbewerben unterscheidet. Unter den neun Finalistinnen befinden sich mit Büşra Sayed und Amina Ben Bouzid zwei Frauen, die ein Kopftuch tragen und wegen angeblich fehlender "Deutschheit" Kritik erfahren. Der Wettbewerb setzt mittlerweile auf Führungskompetenz statt auf äußere Erscheinung.

Die diesjährige Auswahl unterstreicht einen Wertewandel: Die Veranstalter legen mehr Gewicht auf berufliche Erfolge als auf herkömmliche Schönheitsideale.

Fünf der neun Finalistinnen arbeiten in Wissenschaft, Technologie, Medizin oder in Führungspositionen der Wirtschaft. Die Biologin Amelie Reigl züchtet im Labor menschliche Haut. Anne Bäumler leitet bei der Drogeriekette dm ein Team von über 800 Mitarbeitenden. Amina Ben Bouzid unterstützt frauengeführte Marken beim Wachstum ihrer Unternehmen, während Paula Daub den Vertrieb eines Beauty-Tech-Startups führt. Aileen Tina Hufschmidt, Pressesprecherin der Bundeswehr, war bereits im Auslandseinsatz.

Büşra Sayed und Amina Ben Bouzid sehen sich seit ihrem Einzug ins Finale vermehrt rassistischen und sexistischen Anfeindungen ausgesetzt – rund 90 Prozent der hasserfüllten Kommentare stammen von Männern. Dennoch bleiben beide entschlossen und betrachten ihre Teilnahme als Türöffner für andere. Sayed, die in der Kategorie Female Founder antritt, und Ben Bouzid (Female Leader) bekräftigen selbstbewusst ihre deutsche Identität – Sayed spielte dabei sogar scherzhaft mit einem deutschen Klischee.

Die Veranstalter haben sich bewusst vom alten Schönheitswettbewerb-Modell verabschiedet. Statt nach Influencerinnen wird heute nach zukünftigen Führungskräften gesucht. Zu den Finalistinnen zählen nicht nur Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen, sondern auch eine Bundeswehroffizierin – ein Zeichen für die erweiterten Ziele des Wettbewerbs.

Die Siegerinnen werden beim Finale in Baden-Baden bekannt gegeben. Sayed und Ben Bouzids Teilnahme stellt überkommene Vorstellungen infrage, wer Deutschland repräsentiert. Gemeinsam mit den anderen leistungsstarken Finalistinnen zeigt ihr Auftritt, dass sich die Prioritäten des Wettbewerbs grundlegend verändert haben.

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